Greenbuddies baut EPC-Geschäft in Deutschland aus
Der tschechische PV-Anbieter Greenbuddies gründet eine eigene EPC-Niederlassung in Nürnberg und zielt auf mittelgroße Solar- und Speicherprojekte in Deutschland.

Microsoft Katja (Neural, deutsch)
Der deutsche PV-Markt bewegt sich in einer Zwischenphase: Die Zubauzahlen sind 2025 nicht weiter gestiegen, die politischen Ziele aber unverändert ambitioniert. Wer die Lücke zwischen realem Ausbau und politischem Anspruch schließen will, braucht Umsetzungskapazitäten – und genau dort positioniert sich jetzt ein neuer Akteur stärker im deutschen Markt. Der tschechische Anbieter Greenbuddies hat eine eigene Niederlassung in Nürnberg gegründet und baut sein EPC-Geschäft (Engineering, Procurement, Construction) in Deutschland gezielt aus. Zielsegment sind mittelgroße Photovoltaik- und Speicherprojekte für Industrie, Gewerbe und Kommunen.
Greenbuddies ist seit 2017 auf dem deutschen Markt aktiv und hat hierzulande bislang PV-Anlagen mit rund 415 Megawatt-Peak installierter Leistung realisiert. Deutschland macht derzeit etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes des Unternehmens aus. Mit der neuen Niederlassung bündelt der Anbieter seine Engineering-, Beschaffungs- und Baukompetenz vor Ort und will vor allem Projekte bis 15 MWp effizienter bedienen.
Markt zwischen Anspruch und Realität
Ende 2025 lag die installierte Solarleistung in Deutschland bei rund 117 Gigawatt. Um das politische Ausbauziel von 215 Gigawatt bis 2030 zu erreichen, müssten jährlich im Schnitt 19,6 Gigawatt neu installiert werden – deutlich mehr als zuletzt. Parallel wächst der Bedarf an Batteriespeichern, sowohl zur Netzstabilisierung als auch zur Flexibilisierung der Stromvermarktung, weil negative Preise und volatile Einspeiseerlöse zunehmend Geschäftsmodellfragen aufwerfen.
Für die Branche bedeutet das einen wachsenden Bedarf an erfahrenen Umsetzungspartnern – insbesondere im mittleren Größensegment. Fast die Hälfte des deutschen PV-Ausbaus entfiel 2025 auf Solarparks, ein erheblicher Teil davon im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Megawattbereich. Diese Projekte sind zwar kleiner als die medial präsenten Großparks, bringen aber regulatorisch, planerisch und technisch vergleichbare Anforderungen mit sich. Genehmigungen, Netzanbindung, Dokumentation und Systemintegration sind in diesem Segment genauso zu bewältigen – nur mit dünneren Margen und oft unter stärkerem Zeitdruck.
Was EPC konkret bedeutet
Im Full-EPC-Modell übernimmt ein Anbieter die komplette Verantwortung für ein Projekt: technische Planung, Beschaffung aller Komponenten, Bau, Montage, Netzanschluss und Inbetriebnahme. Für Investoren und Projektentwickler reduziert das die Zahl der Schnittstellen erheblich – statt mit zehn Gewerken zu koordinieren, haben sie einen Vertragspartner, der Funktionalität, Kompatibilität und Qualität der Gesamtanlage garantiert.
Gerade im Mid-Scale-Bereich ist dieses Modell attraktiv: Große Fondsprojekte leisten sich häufig eigene Projektgesellschaften mit tiefer technischer Expertise, kommunale oder industrielle Bauherren tun das seltener. Für sie sind gebündelte EPC-Leistungen oft der realistischste Weg, ein Projekt mit kalkulierbarem Risiko umzusetzen.
Referenzen: Solarparks, Repowering, Floating-PV
Die jüngste Referenzliste von Greenbuddies deckt das geplante Zielspektrum bereits ab. In Steinberg und Schwarzenbach hat das Unternehmen 2025 für die Sunera Erneuerbare Energien GmbH zwei schlüsselfertige Solarparks mit zusammen 10,868 MWp gebaut – inklusive Materiallieferung und Projektdokumentation.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt im Repowering: Am 20-MWp-Solarpark Büttel hat Greenbuddies Module, Wechselrichter und Verkabelung ersetzt. Die installierte Leistung bleibt zwar gleich, der Wirkungsgrad steigt – so dass sich künftig die gleiche Leistung auf weniger Fläche erzielen lässt. Angesichts wachsender Flächenkonflikte ist das ein strategisch relevanter Punkt: Viele vor rund 15 Jahren errichtete Anlagen erreichen das Ende ihrer technischen Lebensdauer, ohne dass ein Rückbau wirtschaftlich oder politisch sinnvoll wäre. Repowering wird damit zum unaufgeregten Wachstumsfeld neben dem klassischen Neubau.
Das dritte Feld: innovative Anlagenkonzepte. Für den Kunden Floating Solar und den Projektentwickler JM ProjektInvest hat Greenbuddies das nach eigenen Angaben erste schwimmende Solarkraftwerk Deutschlands mit 1,6 MWp in Hoym errichtet. Die Anlage ist mit einer vertikalen Nachführtechnologie ausgestattet und soll die Energieausbeute pro Quadratmeter spürbar erhöhen – ein Versuchsballon für Floating-PV, das in Deutschland bislang vor allem rechtlich und planerisch Neuland ist.
Strategische Einordnung
„Gerade bei mittleren Projektgrößen bis 15 MWp sehen wir einen steigenden Bedarf an EPC-Partnern, die Projekte strukturiert, gesetzeskonform und mit klarer Verantwortung umsetzen", sagt Andrey Reifschneider, Chief International EPC Buddy bei Greenbuddies. Mit lokaler Präsenz, Vertrautheit mit Netzanschluss- und Normenanforderungen und internationaler Projekterfahrung will das Unternehmen genau diese Lücke füllen.
Insgesamt hat Greenbuddies in den vergangenen sieben Jahren mehr als 1,5 Gigawatt-Peak PV-Leistung in 18 EU-Ländern realisiert und über 3,5 Millionen Module installiert. In Deutschland hat der Anbieter bereits Projekte für Iqony Solar, E.ON, Greencells, BayWa, Belectric und Vattenfall umgesetzt – eine Kundenliste, die zeigt, dass Greenbuddies nicht als Neuling in den Markt eintritt, sondern als etablierter Partner den nächsten Schritt in Richtung eigener Marktpräsenz geht.
Ausblick
Die Marktlogik der kommenden Jahre spielt Anbietern wie Greenbuddies in die Karten: Der Zubau muss beschleunigt werden, die Fläche wird knapper, ältere Bestandsanlagen rufen nach Modernisierung, und integrierte PV-Speicher-Lösungen werden durch steigende Strompreise und härtere Anforderungen an Netzstabilität attraktiver. All das erfordert Umsetzungskompetenz, die über klassisches Modulmontieren hinausgeht.
Ob Greenbuddies daraus tatsächlich den strategischen Schritt zum deutschen Vollanbieter macht, wird sich an der Fähigkeit entscheiden, Mid-Scale-Projekte in Serie termin- und budgetgerecht abzuliefern. Eine Niederlassung in Nürnberg und neun Jahre Marktpräsenz sind dafür eine tragfähige Ausgangsbasis – die eigentliche Bewährungsprobe liegt in der Projekt-Pipeline der nächsten 24 Monate.


